Καταγραφή της επιστολής του Κ. Καραθεοδωρή στον H. Kneser (02/05/1937)

N. Lygeros


München den 2 Mai 1937
Rauschstr. 8.


Lieber Herr Kneser,

Zuerst gratuliere ich Ihnen zu Ihrer Beru-
fung. Ich bin überzeugt, dass Ihnen Tübingen sehr-
gut gefallen wird; nicht nur Landschaftlich, sondern
wegen der ganzen Atmosphäre der dortigen Mathe-
matik.
Über Ihren Vorschlag habe ich aufrichtig
gefreut. Ich fand ihn sehr ehrenvoll & sehr ver-
lockend. Auch habe ich ein Thema, das sehr gut
passen würde: über das Dirichletsche Problem.
Der einzige Haken ist, dass ich diesen Sommer
gern zu meiner Schwester in Griechenland reisen
möchte und dass ich fürchte, dass es zu spät wird,
wenn ich noch zuerst die Versammlung besuche.
Ihre Mutter hat mir einen reizenden Brief ge-





schrieben; ich komme immer noch nicht dazu
ihn zu beantworten. Ich freue mich aber, dass
das Bild Ihres Vater in der Sammlung der
Universität Chicago neben Weierstrass; Adolph
Mayer (O. Hölder hat ein Bild auch besorgt)
und den anderen grüssen, die die Variationsrech-
nung entwickelt haben, zu sehen sein wird.
Ich danke für Ihre Separata: trotzdem sie
unter einem Berg von Papier lagen, habe ich
gleich die Arbeit über die ganzen Funktionen
bei Seite gelegt aber noch nicht gelesen. Das
Resultat sheint mir nicht nur wichtig sondern
auch sehr schön.
Auf dem Schiff habe ich bei der Rückreise
eine amüsante Bemerkung gemacht: nämlich,
dass jede ganz beliebige eineindentige Abbildung
eines ebenen Gebietes auf eine Punktmenge
(Stetigkeit wird nicht vorausgesetzt) bei welcher
jeder Kreis der mit der Scheibe die er begrenzt im Inneren der Gebietes liegt,
auf eine Punktmenge abgebildet wird, die einen
Kreis ausfüllt, eine gewöhnliche analytische





Kreistransformation sein muss. Der Beweis ist ganz
einfach, weil der Satz gar nicht tief ist, ich habe
mich aber gewundert, dass die Kreise schon im solchen
Mengen vor kommen dass die Stetigkeit der Abbildung
von selbst folgt.
Viele Grüsse
Ihr ergebener
C. Carathéodory